Parkinson und ich. Schüttelreime

Stellungnahme in eigener Sache vor dem Versgericht. Reichlich naiv kam ich damals daher, als ich diese Reime reimte.

 

Zu meiner Entlastung  sei gesagt: mich selbstbewusst als Sieger der Geschichte zu inszenieren, war drei Jahre nach der Diagnose ein Mittel, die ersten Erfahrungen abzumildern.

 

Parkinson verändert das Leben auf eine Weise, die man als totalitär bezeichnen könnte. Die Flucht in die Idylle ist also begründet und erlaubt, aber nicht angebracht.

 

 

Das Outfit elegant und Ton in Ton,
so komme ich daher, mit Hut und Parkinson.

 

Dem Jugendwahn ein Contra, voller Hohn:
Bleib mir vom faltgen Hals. Mir und Herrn Parkinson.

 

Mind the Gap beim Ausstieg an der Bahnstation.

Ich bin die Vorsicht selbst. Dank Parkinson.

 

Sie wollen meine Leistung für diesen Hungerlohn?

Ich arbeite für zwei, für mich und Parkinson.

 

Ich schrei ’s nicht aus dem Fenster, brüll ’s nicht ins Telefon:

Wie scheiße ist der Alltag wegen Parkinson.

 

Im Gegenteil, ich lache, erzähle nichts davon,

wie sehr er mich im Griff hat, Genosse Parkinson.

 

Ich glaube nicht an Gott. Nicht an den Geist. Nicht einmal an den Sohn.

Mein Credo steht im Beipackzettel der Pillen gegen Parkinson.

 

Mein Laden läuft, und wie: Das ist die Sensation.

Mit Schreiben und mit Schreinern bekämpf’ ich Parkinson.

 

Am Ende siegt die Krankheit. Doch heute nicht, nicht Morgen.

Darüber grübeln? Spar ich mir. Ich habe schönere Sorgen.