Appell: Redet miteinander

 

 

 

 

Das Virus wütet auch in unseren Hirnen. Es polarisiert. Das muss nicht schlecht sein. Allerdings gibt in diesem Fall der Mangel an Verständigungsbereitschaft Rätsel auf.


 

Scherben bringen kein Glück. Zumindest dann nicht, wenn menschliche Beziehungen scheitern. Im letzten Jahr, so mein Eindruck, ist die Entfernung zu meinen Mitmenschen oft größer geworden, als es die Vorsicht nötig macht. Die öffentliche Diskussion um Corona verlief viel zu oft nach der Devise: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Das scheint das Handlungsmuster zu sein, das Schema zur Bewertung einer Beziehung.

 

Vor einigen Tagen bekam ich von einem Menschen, den ich nach seiner Meinung zu meinem Abbruch einer Parkinsonbehandlung gefragt hatte, folgende Antwort: Ich bin Biologin und habe eine so ganz andere Sicht auf Corona & Co. und die will ich weder rechtfertigen, noch will ich missionieren. Ich verhalte mich, wie ich es für angebracht halte und darüber diskutiere ich nicht.

 

Es geht auch anders. Ein Freund, von dem ich bisher nicht wusste, wie sehr er mein Freund ist, schrieb mir: Ich denke viel auf Deinen Texten und Meinungen rum. Du berührst mich damit (…) Nicht immer teile ich Deine Standpunkte und Meinungen, insbesondere zu Corona und dem Umgang mit der Pandemie.

 

Wir sollten miteinander sprechen, um zu verstehen, was andere meinen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen. Es gibt für fast alle Bewertungen gute Gründe. Wir müssen uns in der Sache nicht einigen. Wir sollten unsere Einschätzung begründen können. Dann  entsteht vielleicht etwas. Oder auch nicht.

 

Wenn wir das nicht mehr können, müssen wir uns um unsere Demokratie sorgen. Wie sehen Sie das?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0