KRANKENBESUCH. Starr oder getrieben.

 

Wie immer reizend, diesmal in rot und weiß gewandet, kommt mir die Freundin entgegen. Ich finde, sie sieht klasse aus und sage ihr das. Sie lacht, wie immer. Wer genau hinschaut, erkennt minimale dyskinetische Gesten, die ihrer Erscheinung etwas Fließendes geben. Sie verstärken ihre Anmut. Krankheit macht nicht per se unattraktiv.

 

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Bewegendes zu Parkinson

 

Die positven Effekte von Yoga sind wissenschaftlich nachgewiesen, schreibt Christian Jung in seinem Erfahrungsbericht und Ratgeber Nochmal durchstarten. Er selbst hat für sich die Stimm- und Atemtechnik nach Schlaffhorst/Andersen entdeckt. Für Yoga kann ich  die positive Wirkung bestätigen. Bald lesen Sie hier mehr dazu.


On the road mit Mister P.

Wanderlust mit Mister Parkinson, Kiepenheuer & Witsch, 18,00 Euro

„Ich habe nichts mehr zu verlieren und bin heute ein glücklicherer Mensch,“ zog einst Hans im Glück Résumé. Eine Märchenfigur, die meine Großmutter – eine fähige Geschäftsfrau – verachtete. Wenn Pamela Spitz so über ihr bisheriges Leben urteilt, muss man sie nicht bedauern. Sie achtet schon darauf, nicht zu kurz zu kommen. 

Die Welt ist ihr Feld. Eindrucksvoll zeigen die Beschreibungen ferner Destinationen, wie aufwendig „alternatives“ Reisen ist. Wenn die inzwischen 46-Jährige nur mit ihrem Rucksack loszieht, nutzt sie eine perfekte Infrastruktur. Heute Trinidad, Morgen Sardinien. Immer auf der Suche nach dem Kick. Zwischendurch wird ihr bewusst, wie schädlich Tagestouren auf Kreta sind, wenn man um 6:00 Uhr früh in Berlin startet und abends wieder in Mitte ist. Die Friday for Future Schüler hätten ihr die ökogische Schändlichkeit ihrer Trips klar gemacht. Sie bedankt sich für die Aufklärung und ist schon wieder unterwegs.

 

An irgendeinem Strand bemerkt sie motorische Unsicherheiten - Parkinson. Was sie in der Ferne über ihre Erkrankung lernt, hätte sie auch im Grunewald erfahren können. Als ich die Autorin auf dem Cover sah, dachte ich, sie beschriebe Wandertouren in Deutschland: „Wanderlust mit Mister Parkinson.“ Dann hätte das Werk noch einen gewissen Gebrauchswert.

 

Letztendlich passt ihre einfach gestrickte Welt- und Selbsterkenntnis in handelsübliche Clichés. Die Ablehnung von Pauschalreisen schützt nicht vor Pauschalurteilen. Ob die „Unruhestifter“ und „Idioten“, die gegen die Pandemie-Politik sind, wüssten, wie gut sie es in Deutschland haben. Wäre sie doch zu Hause geblieben. Mit einem guten Buch. Ihres bringt bei momox 6,34 Euro. Mehr als nix.

 


Wenn der Arzt nur so tut als ob

Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten, das arglose Wort ist töricht, eine glatte Stirn deutet auf Unempfindlichkeit hin. Sind die Reaktionen auf meinen Bericht arglos? Denken sich die Schreibenden wirklich nichts dabei, wenn sie mich bemitleiden, weil ich so viel "Pech" hatte? Sind sie "ohne falsch"? Ich glaube nicht. Sie schauen nicht genau hin. Wollen sich nicht äußern, weil sie hoffen, still und heimlich wegtauchen zu können. Stellung zu nehmen, fällt auch der Hamburgischen Ärztekammer schwer. Ihre Sprecherin schreibt, es tue ihr "leid, dass der Aufenthalt in (der Klinik) nicht den erwünschten Erfolg hatte, und (ich) kann mir vorstellen, dass die Corona-Maßnahmen dabei und generell eine besondere Erschwernis darstellen. Daran würde leider auch ein Interview mit Dr. Emami nichts ändern. Ich bitte deshalb um Verständnis, dass er für ein Interview zu diesem Thema nicht zur Verfügung steht."

 

Hatte ich Wiedergutmachung gefordert? Nein, ich wünschte mir eine Stellungnahme zum ärztlichen Selbstverständnis. Ich fragte ein zweites Mal nach. Ganz arglos.

 

Wird fortgesetzt.

 

 

 


Bis zur Gewissheit. Chronik einer chronischen Belastung

2005 leichte Schmerzen im rechten Arm. In sechs Jahren häufen sich die Leiden. Die Ärzte finden nichts. Falls ich mal sterben sollte, dann an einer eingebildeten Krankheit. 2011: Rien ne va plus. Ich steige aus, beginne eine Tischlerlehre. 2013:  Gesellenbrief und die Diagnose Parkinson. Zurück auf dem Boden der Tatsachen.

2014 gründe ich möbel & texte, die Werkstatt für Satz- und Möbelbau in Hamburg Altona. Wir bauen ein paar schöne Möbel. 2021 ist die Zeit reif für das parkinson-projekt. Ich richte mich mit 64 beruflich aufs Neue ein und profitiere von der Kontinuität in den Wechseln vom Dozenten zum Autor, vom Redakteur zum PR-Experten.

Manch einer nimmt die Herausforderung an, wird gleich Parkinson-Experte in eigener Sache. Ich wollte nach der Diagnose vor allem Normalität; verschob das Kranksein gewissermaßen. So hatte ich sechs Jahre mit interessanten  Aufträgen. Und siehe da: Parkinson lief nicht weg. Jetzt bin ich besser vorbereitet, mit neuen Ideen.