Bis zur Gewissheit. Chronik einer chronischen Belastung

2005 leichte Schmerzen im rechten Arm. In sechs Jahren häufen sich die Leiden. Die Ärzte finden nichts. Falls ich mal sterben sollte, dann an einer eingebildeten Krankheit. 2011: Rien ne va plus. Ich steige aus, beginne eine Tischlerlehre. 2013:  Gesellenbrief und die Diagnose Parkinson. Zurück auf dem Boden der Tatsachen.

2014 gründe ich möbel & texte, die Werkstatt für Satz- und Möbelbau in Hamburg Altona. Wir bauen ein paar schöne Möbel. 2021 ist die Zeit reif für das parkinson-projekt. Ich richte mich mit 64 beruflich aufs Neue ein und profitiere von der Kontinuität in den Wechseln vom Dozenten zum Autor, vom Redakteur zum PR-Experten.

Manch einer nimmt die Herausforderung an, wird gleich Parkinson-Experte in eigener Sache. Ich wollte nach der Diagnose vor allem Normalität; verschob das Kranksein gewissermaßen. So hatte ich sechs Jahre mit interessanten  Aufträgen. Und siehe da: Parkinson lief nicht weg. Jetzt bin ich besser vorbereitet, mit neuen Ideen.


Aus meiner Werkstatt für Satz- und Möbelbau

Wie krank ist das?

In den letzten acht Jahren war ich viermal in stationärer Behandlung. Zweimal entließ ich mich vorzeitig. Bin ich asozial?

 

Vor acht Jahren im AK Wandsbek teilte ich ein Zimmer mit einem Junkie. Ein netter Kerl. Das zeigte er, indem er mich in Ruhe ließ. So wie ich ihn. Als er nachts nicht nur sein Bett vollkotzte, wartete ich auf dem Flur, bis die Schwester den Raum gereinigt hatte.

 

Vor zwei Jahren verbrachte ich mehr als drei Wochen in einem Dreibettzimmer in einer Klinik im Ruhrgebiet. Die Schwestern mochten mich. Ich klingelte nicht ein einziges Mal. Im Gegenteil, vom ersten Tag an half ich meinem Bettnachbarn in die Klamotten und wieder raus. Der Dritte im Bunde hatte eine Hirnverletzung. Er röchelte, ich flüsterte. Beim Derby Schalke gegen den BVB lösten sich unsere Stimmen. Wir hielten zur richtigen Seite.

 

Als ich vor vier Jahren nach drei ereignislosen Tagen und hektischen Nächten (wieder ein Junkie, wirklich ein netter Kerl) im AK Barmbek meine Abreise bekannt gab, sagte der Stationsarzt, ich müsse mich bis zum nächsten Tag gedulden. Er kriege den Arztbrief nicht mehr hin. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte mit einer medizinischen Begründung für mein Bleiben geworben. So sagte ich: Das schaffen Sie schon.

 

Schrieb ich nicht, ich sei viermal im Krankenhaus gewesen? Ja. Über den  letzten Versuch liegt ein Bericht vor. Ich suche bisher vergeblich eine Redaktion, die den Text kauft.

 

Nach der Gesellenprüfung im Sommer 2013 erfuhr ich endlich, was mich fast acht Jahre ständig, aber auf unterschiedliche Weise gequält hatte. Ich blieb nicht lange geschockt. Schockte stattdessen alle, die mich für einen Mann mit zwei linken Händen hielten, vor allem mich selbst.

 

 

Clip für die Diakonie

 

Was würden Sie für eine heiße Dusche geben?

 

Meine Texte in Printmedien

 chrismon      

 

 

DER REPORT: Das große Noch

 Acht Jahre mit Parkinson. Meine Bilanz im Januarheft 2021.

 

Grabrede für Margarete

 Es ist nicht schön, 103 Jahre alt zu sein, da muss man bald sterben.

 

 Wie gut, dass ich kein Tausendfüßer bin

 Vielleicht mein bester Text. Mein Bericht über 12 Jahre mit der Schwiegermutter in einer Wohnung. Eines der letzten Abenteuer.

Download
Wie meine Mutter starb
FAS, 30. 3. 2014
GENIOS - Gute Besserung.pdf
Adobe Acrobat Dokument 99.2 KB

Ganz schön viel gemacht: Stationen meiner beruflichen Entwicklung